26. Juni - 1. August 2026
Marc C. Woehr
Unpresentable
Die Einzelausstellung von Marc C. Woehr, seine erste seit der Aufnahme des Künstlers in das Portfolio der Galerie, markiert einen radikalen Wandel in seinem Schaffen.
Das leitende Prinzip der postindustriellen Welt ist nicht die Notwendigkeit, das Darstellbare zu repräsentieren, sondern eher das entgegengesetzte Prinzip.
(Jean-François Lyotard)
Die Ausstellung markiert einen radikalen Wendepunkt in Marc C. Woehr bisherigen Schaffen. Während Woehrs Arbeiten bislang durch geometrische Strukturen, urbane Rhythmen und eine abstrakte Bildsprache geprägt waren, entzieht er seine Werke nun bewusst dem unmittelbaren Blick des Betrachters.
Ausgangspunkt der Ausstellung ist Jean-François Lyotards Essay Presenting the Unpresentable, in dem der Philosoph die Frage formuliert, wie Kunst etwas sichtbar machen kann, das sich der vollständigen Darstellung grundsätzlich entzieht. Für Lyotard liegt die Aufgabe zeitgenössischer Kunst nicht mehr darin, das Sichtbare einfach abzubilden, sondern vielmehr darin, auf die Grenzen des Sichtbaren selbst hinzuweisen.
Diese Idee manifestiert sich in Woehrs neuen Arbeiten auf physische Weise. Die sonst klar lesbaren urbanen Kompositionen werden hinter einer Wachsschicht verhüllt. Das Material fungiert dabei nicht nur als Oberfläche, sondern als bewusste Barriere gegen die sofortige Wahrnehmung und schnelle Konsumierbarkeit des Bildes. Die Werke erscheinen verschlossen, beinahe entzogen. Was sichtbar wird, ist weniger das Motiv als dessen Abwesenheit.
Die Wachs-Reliefs wirken wie Andeutung eines Bildes, nicht wie dessen endgültige Erscheinung. Das Werk existiert nicht mehr ausschließlich als sichtbares Objekt, sondern als Möglichkeit im Bewusstsein des Betrachters.
Eine der Arbeiten wird während der Vernissage transformiert. Durch das Erwärmen des Wachses verändert sich dessen Transparenz; die verborgenen Strukturen treten zeitweise hervor, bevor sie sich erneut den Blicken entziehen. Das Werk befindet sich damit in einem permanenten Zustand zwischen Verbergen und Offenbaren.
Wie Lyotard schreibt: “Das leitende Prinzip der postindustriellen Welt ist nicht die Notwendigkeit, das Darstellbare zu repräsentieren, sondern eher das entgegengesetzte Prinzip.”
Gerade darin liegt die Relevanz von Woehrs künstlerischer Haltung. In einer Gegenwart, in der Bilder in immer kürzeren Intervallen konsumiert, ersetzt und vergessen werden, reagiert der Künstler bewusst dagegen. Mit seinen Arbeiten verweigern er dem Betrachter die sofortige Lesbarkeit und schafft stattdessen Raum für Projektion, Erinnerung und emotionale Erfahrung.
Unpresentable ist eine Ausstellung über das, was ein Bild sein kann, wenn es sich dem direkten Zugriff verweigert und über eine neue Form von Wahrnehmung, die gerade im Verborgenen entsteht.
Events
Vernissage
Freitag, 26. Juni, 19 Uhr
Der Künstler ist anwesend | RSVP
Ausstellender Künstler
Marc C. Woehr (*1973 in Heilbronn, lebt und arbeitet in Stuttgart) ist als Graffiti und Street Artist bekannt geworden und hat seit Anfang seiner künstlerischen Karriere weltweit auf internationalen Kunstmessen und in zahlreichen Galerien ausgestellt. Seine großformatige Murals sind im urbanen Raum sehr gefragt. In seinem Oeuvre wechselt er zwischen Malerei, Reliefs und Skulptur und schafft dynamische Werke, die Bewegung, Tiefe und architektonische Spannung vermitteln.
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Viewing Room
Marc C. Woehr
N 43.758893 E 6.152792, 2026
wooden relief submerged in wax, wooden frame
71 x 71 cm
